Acta Structuralica

international journal for structuralist research

Book | Chapter

218928

Orientierung als Problem

Hermann Lübbe

pp. 133-140

Abstract

Auch die analysierten Selbsthistorisierungsfolgen industriegesellschaftlicher Dynamik zeitigen nicht nur die schönen Erscheinungen eines sich entfaltenden Geschichtssinns von der Museumsblüte bis zur Denkmalspflege. Es sind mit den Tendenzen dieser Selbsthistorisierung auch zivilisationsspezifische Orientierungsprobleme verbunden, die Lastencharakter haben. Nicht zufällig hat der soeben gebrauchte Begriff der Orientierung Konjunktur, und es lohnt sich, sich mit dem Orientierungsbegriff und mit den Gründen unserer aktuellen Rückgriffe auf ihn zu beschäftigen129. Orientierung — das ist ja zunächst nichts anderes als eine Metapher aus der Praxis der Bewegung im Raum. Man muß nicht Schiffs- oder Flugzeugpilot oder gar Astronaut sein, um sich des elementaren Sinns der Orientierungsmetapher zu erinnern. Alltagserfahrung aus unserer Wanderpraxis genügt. Der Normalfall solcher Wanderpraxis ist, daß wir, indem wir uns auskennen, uns rüstig vorwärts bewegen. Erst wo wir uns, desorientiert, nicht mehr auskennen, müssen wir, statt zu wandern, reflexiv eine orientierungspraktische Phase einlegen.

Publication details

Published in:

Lübbe Hermann (1990) Der Lebenssinn der Industriegesellschaft: Über die moralische Verfassung der Wissenschaftlich-technischen Zivilisation. Dordrecht, Springer.

Pages: 133-140

DOI: 10.1007/978-3-642-97265-2_12

Full citation:

Lübbe Hermann (1990) Orientierung als Problem, In: Der Lebenssinn der Industriegesellschaft, Dordrecht, Springer, 133–140.